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Projektor

Projektor
-Baukasten für eine imaginäre Stadt-

 

->OPEN CALL /2015<-


Der Ausgangspunkt für Projektor ist ein modulares System, aus dem eine Raumskulptur erwächst, die wie ein "Projektor" für subjektive Phänomene im gebauten Stadtraum wirkt. Er verwendet skalierte Elemente gebauter Architektur, modifiziert und kombiniert sie neu miteinander.
Der Projektor projiziert individuelle Vorstellungen aus dem Galerieraum nach “draussen”. Er ist ein modularer Werkzeugkasten, mit dem man sich eine andere Stadt vorstellen kann. Projektor referiert in drei Stufen aus der Galerie (Modell, Tisch, innen) auf den öffentlichen Raum (aussen).


Die Experimentalanordnung beinhaltet
a) Orts‐ und Materialrecherche bzw. dem daraus resultierenden
Materialfundus präsentiert in einem Tisch‐Modell
b) mannshohe Archiskulptur‐Elemente
c) Interventionen im Stadtraum (Objektmodule, Laserprojektionen)


Die prozessual von den Besuchern zu benutzenden und von weiteren Autoren mitzugestaltenden spielerisch abstrahierten temporären „Bauprojekte“ aller 3 Phasen zitieren Elemente der Stadt und kombinieren sie mit anderen Versatzstücken und individuellen Beiträgen. Projektor errichtet dabei mit den geschaffenen Raumkörpern ein ganz neues ungewöhnliches, gedachtes heterogenes Architekturgefüge an zentralen Orten der Stadt. Die Installationen verweisen wiederum zurück auf einen Raum der Vorstellungen und Debatten, in dem diese Interventionen Spuren hinterlassen sollen; um so auf konkrete Raumdefinitionsoptionen und ihre gesellschaftlichen Potentiale einzuwirken.
Ziel ist also eine Auseinandersetzung mit Methoden der (sozialen) Raumkonstruktion, die so auf spielerische Weise dazu beitragen kann, zukünftige stadtplanerische Prozesse zu optimieren.


Die temporären Installationen mit den mannshohen Modulen aus Phase b sollen auf zentral gelegenen Flächen im öffentlichen Raum stattfinden. Über diese Orte im Stadtzentrum hinaus werden andere interessante, nicht unmittelbar im Zentrum gelegene, speziell gerade im Umbruch befindliche Standorte auch als „Spielstandorte“ für Fassadenprojektionen genutzt. Das ist Phase c.


Während dieser Realisierungsphase im öffentlichen Raum, die in jeweils mehrwöchigen Projektschritten stattfinden soll, wird die Installation von Phase a ( Modell, Tischgröße) zeitlich parallel in einem Galerieraum aufgebaut. Mit den Außenrauminstallationen wird diese über einen Livestream verbunden, der alle Veränderungen aussen aufzeichnet. So projiziert das Modell als Kernelement einerseits seine Ideen in den öffentlichen Raum, und gleichzeitig wirken die
Geschehnisse „draussen“ zurück auf das Modell. Denn die Fotos, Zeichnungen und Videoaufzeichnungen, die im Verlauf des Projekts entstehen, werden später anteilig in das Modell integriert; diese Innenraum‐Skulptur wird so, ergänzt auf Grundlage von tagesaktuellen Ereignissen oder individuellen künstlerischen Gestaltungen, immer wieder ergänzt und neu interpretiert. Sie dient dabei als konkrete und nachhaltige Projektionsfläche für neue Potentiale und Ideen und kombiniert dabei verschiedene Geschichtsschichten zu einem zeitlich nonlinearen Gesamtgefüge.


Zunächst auf die Region Berlin angewendet, möchte ich mit einer Recherche von Stadtgebieten beginnen, die an der Peripherie liegen und besonders aus den Vorstellungen des beginnenden 20.Jahrhunderts resultieren (z.B. Le Corbusier, russ. Konstruktivismus, Bruno Taut/Leberecht Migge bis hin zu Märkisches Viertel/Marzahn und Siemensstadt). Daraus “schneide” ich bestimmte Flächen und damit in Verbindung stehende Baukörper „aus" um sie dann als Bausatzelemente zu einem neuen System zusammenzufügen. Bei der Auswahl der Gebiete steht auch besonders ein sozialer Wohnungsbau im Interesse, in seinen baugeschichtlichen Beispielen, die besondere Wohnstruktur des Mietbaus und Pachtgrundstücks in Abgrenzung zu Eigenheim und Eigentumswohnung, Gewerberaum und repräsentativen Zweckbauten. Dabei entstehen Phase a und b.


Alle im Verlauf des Projekts von den Besuchern zu benutzenden und  mitzugestaltenden spielerisch abstrahierten skalierbaren temporären „Bauprojekte“ verwenden also als Grundbausteine Elemente aus der konkreten Formensprache der Moderne und entwickeln sie weiter in Kombination mit weiteren Architektur‐Versatzstücken und individuellen Beiträgen. Damit entstehen erweiterbare baukastenartige Installationen direkt im öffentlichen Raum, die helfen, den aesthetisch‐diskursiven Gestaltungsraum spielerisch zu erweitern.


Es geht generell um das, was ich als Tatsache der sozialen Konstruktion von Raum empfinde, bei der neben den Betrachtern besonders auch Künstlerkollegen, Architekten Studierende, Vereine, und weitere soziale Netzwerke Möglichkeiten der Ausgestaltung, des "Mitspielens" bekommen. So gehtes im Projektverlauf darum, einen Gestaltungsraum zu definieren, in dem individuelle künstlerische Handlungsmöglichkeiten sich, mit eher einfachem Materialaufwand, in einer größtmöglichen direkten öffentlichen Wahrnehmung in Modell und unmittelbar „vor Ort“ entfalten können. Dieser Ansatz der Vielstimmigkeit entspricht meinem Verständnis von Raumkonstruktion, wie es in vielen meiner Werke zum Ausdruck kommt und wie ich ihn im Stadtraum beobachten kann. Stets soll dabei auch der leere Raum, die "Leerstelle", konkret sichtbar gemacht werden, umfasst, umgestülpt, transformiert und so als Objekt selbst erkennbar. So soll mein Thema der inversen Räumlichkeiten partizipativ als utopischer Raumentwurf umgesetzt werden.


Hintergrund:
Auch meiner fortzusetzenden Projektreihe 01/01, 0X/01, 0X/02 liegt diese Idee einer „amorphen“ Architektur zu Grunde. Für die Projekte 01/01, 0X/01 wurden im Handel verfügbare moderne Baustoffe verwendet wie Porenbeton oder Baufolien. Bei Projektor sollen die mannshohen Raumkörper dann aus ganz neuen im Rahmen eines Materialforschungsvorhabens entwickelten Werkstoffen hergestellt werden.


Allgemein:
Alle meine künstlerischen Arbeiten, Objekte wie Installationen beruhen in der Regel auf einer quasiwissenschaftlichen Methode. Sie untersuchen dabei immer die Wechselverhältnisse zwischen einem Modell/ Abbild/ einer Vorstellung und der Realität, die sie abbilden. Der in den unterschiedlichen Projekten jeweils beobachtende Ausschnitt der Welt wird dabei in ein abstrahierendes System übertragen. Ich arbeite dabei feldartig und definiere für den jeweils von mir abgesteckten Raum bzw. Zeitraum spezielle Regeln und darin zu verwendende Grundlemente, welche verschiedene Variationsmöglichkeiten des jeweiligen Konstruktionsprinzips beinhalten. Dinge die zentral liegen, werden oft mit solchen aus der Peripherie in ein Verhältnis gesetzt. Aussen und Innen erfahren so ihre Umkehrung. Es geht dabei immer um die Reflektion von existierenden  übergeordneten Systemen und deren Sichtbarmachung, wie auch der von zunächst verborgenen Parametern darin. Das Prinzip meiner Konstruktionen zeigt sich dabei stets als ein währender Prozess, der mittelbar Abwesenheiten erzeugt, und damit zu einer höheren Erkenntnis darüber führt. Meine Arbeiten finden somit immerauf der Ebene einer „2. Ableitung“ statt.


Konkrete Arbeitsschritte :
‐ Stadtpläne, interessante Orte recherchieren
‐ Flächen und Baukörper auswählen
‐ Materialrecherche, Architekturdiskursrecherche
‐ Akteure ansprechen, involvieren
‐ Foto‐, Videomaterial, Zeichnungen sammeln
‐ Verarbeitung von Grafiken für Laserprojektionen
‐ plastische Ausformulierung/ Umsetzung im Material:
Materialforschung innovativer Baustoffe, individuelle Transformationen einzelner Bauelemente vornehmen: Skalierungen ändern, Umkehrungen postiv/negativer Formen, Verbindungselemente entwickeln (Rahmenkonstruktionen, Stecksysteme, Bodenplattenelemente..)
‐ Nachbearbeitung, wissenschaftliche Aufbereitung
‐ Erstellung einer Publikation, dabei auch Kooperation mit weiteren Autoren


© Anke Westermann, 2015