installationen  |  objekte  |  projekte  |  info  
kontakt

SIRIUS Siedlung

Projektentwurf
2013

Anknüpfend an das Projekt Sirius, realisiert 2012 in Berlin-Hellersdorf soll eine modellhafte Modularchitektur für eine zukünftige (utopische) Siedlungsform entwickelt werden, für die nach festgelegten Regeln Baukörper aus zweidimensionalen geometrischen Grundfiguren gefertigt werden.

Die Sirius-Siedlung ist aufgebaut nach Art eines Spiels, das auf universalen Methoden basiert: Umkehrung, Skalierung, Prozessualität, Reduktion der Mittel/Materialien - im Rahmen eines Neudenkens von Raum/Stadt/Architektur. Ich sehe das Projekt als eine Recherche in die (soziale) Entwicklung von Formen im Raum und als eine Untersuchung der Formensprache des Gebauten, die von den generativen Regeln der Besiedlung statt dem einzelnen Objekt des Gebäudes ausgeht.

Mich interessiert dabei die Entstehung eines Ortes als Bildhauerthema und die Schaffung von Raum mittels regelhafter Objektanordnungen, jedoch nicht als Architektur im herkömmlichen Sinne. Im Sinne von Bild-Hauerei hat es mich immer beschäftigt, das Verhältnis zwischen Zwei- und Drei-Dimensionalem in einer Weise zu denken und umzusetzen, die einem Architekten eher fremd sind. Also weniger "designorientiert“, weniger anwendungsbezogen, weniger monumental sondern von einer minimalistischen Formensprache ausgehend, die Offenheiten einer prozessualen, sozialen Selbstorganisation eines “Bild-Baus” ermöglicht.
Das Ziel ist nicht in erster Linie Häuser zu bauen, sondern vom bereits Gebauten zu abstrahieren, und Formen zu finden, die sich im iterativen Prozess des Anbauens, aus den Bausteinen eines reduzierten Formenrepertoirs modular zusammensetzen. Die Modellhaftigkeit selbst ist das Endprodukt, wobei als utopischer Raum das an eine Stadt angrenzende Land gedacht wird, an Gartensiedlungen und Künstler-Kolonien,
Im Laufe des Entwicklungsprozesses von Sirius-Siedlung werden zunächst einzelne Objekte/Skulpturen entwickelt, die auf Gebäude verweisen, also als Hohlkörper konzipiert sind, welche man zu einem komplexen Gebilde zusammenfügen kann, das sich in Fläche und Höhe kontinuierlich ausbreitet und dabei eine wachsende Vielheit bildet. Das Aneinanderfügen dieser Körper birgt in sich die Schaffung freier Flächen, oberhalb dieser Flächen entstehen wieder neue, ungeplante Räume, die von den angrenzenden Baukörpern definiert werden.
Als Flächengrundrasterform soll ein Achteck dienen. Eine Achteckform kann auch für die Musterbögen in einzelne Abschnitte, ähnlich einem Origami-Spiel in viele verschiedene geometrische Grundformen aufgeteilt werden. Diese sollen dann von den einzelnen "Mitspielern", also auch anderen Künstlern, Architekten und Studierenden zu jeweils ihrem eigenen dreidimensionalen Baukörper- Modul in Art einer bewohnbaren Schachtel zusammengefügt werden.

Die einzelnen Baukörper können von den eingeladenen Akteuren auf Grundlage eines zweidimensionalen Musterbogens gestaltet werden, wobei sich generativ jeweils neue Formen an die bereits bestehenden Baukörper anfügen lassen. Dabei bleibt offen, wieviele Baukörperelemente der jeweilige Akteur "bastelt" und sowohl vertikal als auch horizontal kombiniert. Vorgabe ist immer eine (rekursive) Kompatibilität mit dem bestehenden System. Dieses deutet auf einen Möglichkeitsraum für offene Partizipation innerhalb einer endlichen Zahl von Regeln und eröffnet eine unendliche Zahl von Ergebnissen.
Die skulpturale Formensprache der Sirius-Siedlung im Modell erinnert dabei sowohl an Kunst des Informel als auch an aktuelle "Computerarchitektur". Hierbei steht weniger der Computer als Konstruktionswerkzeug im Vordergrund, sondern die Mikro- und Makroästhetik generativer Algorithmik. Sie hat den Anspruch einer skulpturalen und damit gleichzeitig modellhaft architektonischen Formensprache für eine utopischen bzw. zukünftige Siedlung und damit auch einen neuen Gesellschaftsentwurf, der auf den Prinzipien der Selbstorganisation, sowie der Knappheit von Ressourcen beruht.

Drei Arbeitsschritte

1/ generatives „Pappe“-Modell in Tischgröße,.
Dafür wird ein geeignetes haltbares Plattenmaterial verwendet, also strapazierfähiger und haltbarer als einfache Pappe. Zweidimensionale aufgefaltete Flächen werden zu Dreidimensionalen Körpern. Empirie und Software kann dabei zum Einsatz kommen.

2/ Installation im Galerieraum .
Zwei bis fünf Einzelmodule von dem „Tischmodell“ werden als begehbare Skulpturen im menschlichen Maßen ausgeführt und in einem Galerieraum ausgestellt. Einzelmodule der fertigen Tischmodelle/Siedlungsentwürfe aus Schritt 1 dienen dazu als Vorlage. Das Raumempfinden innerhalb der "Zellen"  im 1:1 Maßstab wird ungewöhnlich, unwirklich sein, die Wahrnehmung von Zeit und Raum wird sich beim Betrachter beim Betreten dieser Räume verändern.  
Ganze Siedlungen aus Schritt 1 werden für die Ausstellung in Schritt 2 zusätzlich in verschiedene Landstriche, die die Mitwirkenden interessant dafür finden, recherchiert haben, per Fotomontage "hineinprojeziert", z.B. mal ins Hochgebirge, in eine Wüste oder auf eine Insel, den Mond.
Das sind dann fiktive Landart-Projekte sie würden als Fotoarbeiten umgesetzt und gezeigt mit der raumfüllenden Skulptur aus Schritt 2 zusammen.

3/ wirklich bewohnbare Siedlung, zu realisieren im Berliner Umland 2020 zur IBA in Berlin, zunächst angelegt für 5 Jahre.

Grundlage für Sirius-Siedlung im Aussenraum ist ein freie Fläche, die durch ein spezielles Parzellensystem, das möglichst viele Variationsmöglichkeiten beinhaltet (Wabenformen- Achteck), auf denen dann aus ein oder mehreren Modulen, entsprechend der individuellen Nutzungsweise, ökologisch nachhaltige, also bei Bedarf wiederverwertbare Einzelgebäude errichtet werden können. Man soll dort tatsächlich leben und arbeiten können und gemeinschaftliche Räume und Flächen sollen dem Wissens- und Ideenaustausch dienen.
Auch Nahrungsmittelanbau, autarke Energieversorgung soll dabei Teil der Konzeption werden. Neue Modelle des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Miteinanders sollen darin ausprobiert werden können, Workshops, Festivals und Veranstaltungen können stattfinden.
Es geht in diesem Projekt somit nicht um die Thematisierung einer gewachsenen Stadt, sondern wie in meiner Arbeit Archipelago um das Besiedeln, also das Pionierhafte. Es geht auch nicht um eine konkrete Stadtgründung, sondern um die Beschränkung auf eine utopische Form, wie ein Camp bzw. Lager, für einen längeren Zeitraum angedacht, als Modellexperiment.

Als Künstlerin, die sich mit Raum beschäftigt, arbeite ich stets an den Schnittstellen gesellschaftlicher Fragestellungen und Produktion, die weitreichende ästhetische Konsequenzen für den Alltag haben. Heutige individualisierte industrielle Massenproduktion (Stichwort 3d Druck, neue Materialien) erlaubt schlussendlich den urbanen Lebensraum neu zu denken. Utopismus setzt auf die Möglichkeit eines Neuanfangs, räumlich gedacht einer leeren Fläche. Nutzen wir die Gelegenheit uns darüber Gedanken zu machen nach welchen Regeln sich auf einer freien Fläche ein Dorf entwickelt, aus dem eine Stadt werden könnte, gegründet aus der Notwendigkeit der Besiedlung von Raum durch Menschen.

Beginnen soll das Projekt als Hochschulprojekt für Studierende, mit Recherchen zu verwandten Projekten wie Dropcity und Grundideen der Konstruktivisten. Durch die Einbeziehung von Studierenden in die Planungs- und Umsetzungsprozesse wird Teamfähigkeit, Offenheit gegenüber und Verarbeitung von Informationen aus anderen Bereichen geübt, was ich für eine künstlerische Ausbildung in der heutigen Zeit sehr notwendig finde.